Oskars Kampf gegen die Ost-Linken gibt SPD Hoffnung und Bartsch alle Chancen

“Mit dem Rückzug von Oskar Lafontaine als Vorsitzender, endet die Ära der Linken, die der CDU jahrelang die Vormachtstellung im Parteiensystem gesichert hat”. Solche Sätze wie dieser aus dem Umfeld des niederächsichen SPD-Chefs Garrelt Duin, hört man heute überall. Die SPD, zuletzt zu einer zwanzig-Prozent-Partei auf Bundesebene geschrumpft, schöpft neue Hoffnung. Doch ob die Ära der Linkspartei tatsächlich endet, ist zweifelhaft.
Lafontaine zieht sich aus der Parteiführung zurück. Soviel steht seit heute fest. Doch was das für die SPD bedeutet ist völlig unklar. Auch, weil der Machtkampf in der Linken keineswegs entschieden ist. Vielmehr wird deutlich, das der Rücktritt von Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch für Lafontaine ein Phyrrus-Sieg gewesen ist. Wertlos, weil der bis auf wenige Tage fast gleichzeitig verkündete Rückzug des kranken Napoleon von der Saar deutlich macht, wie verzweifelt Lafontaine bis zuletzt versucht hat, die Nachfolge in seinem Sinne zu regeln. Und das meint: Entmachtung der Ost-Linken und Durchmarsch der Wessis nun auch in der Ex-SED. Aber es ist ihm nicht gelungen!
Zu krank ist Lafontaine gewesen, zu lange hat Dietmar Bartsch dem Druck widerstanden, der sich lange gegen ihn, dem neben Gysi wohl profiliertesten und best-vernetzten Ost-Linken aufgebaut hat. Ironie der Geschichte: Die Lager haben sich in diesem Spiel verschoben: Zwar lautete der Kampf weiter Ost-gegen-West. Doch die Dogmatiker sind nun im Westen und rekrutieren sich im wesentlichen aus radikal-systemkritischen Alt-68ern wie Ulrich Maurer. Pragmatismus und politische Flexibilität ist in der Linken schon seit längerem im Osten beheimatet. Leute wie Bartsch eben, die - wie Tissy Bruns im Tagesspiegel korrekt bemerkte - im alten SED-System zwar noch in den Genuß einer Elite-Ausbildung gekommen waren, aber jung genug sind, keine persönliche Verantwortung für die Verbrechen des Stasi-Staates auf sich geladen zu haben.
Selbst Gysi ist diesbezüglich bereits weniger eindeutig zu verorten, wie die jahrelange Kontroverse über seine Stasi-Kontakte zeigen. Damit ist auch ein Motiv klar, warum sich Gysi gegen Bartsch stellte und ihn mit seiner Illoyalitäts-Anklage fallen gelassen hat. Gysi war sich mit Lafontaine einig, dass Bartsch nicht aus der Position des Bundesgeschäftsführers für den Linken-Vorsitz kandidieren durfte, der mit Lafontaines Krankheit und Biskys Rückzug nach Brüssel im Mai gleich zweifach zu vergeben sein würde. Oskar Lafontaine wusste dies, und hat deshalb die politische Integrität Bartsch’s angreifen lassen.
Es spricht für die Professionalität von Dietmar Bartsch, dieses Spiel rechtzeitig genug erkannt zu haben, um als “Opfer” vorübergehend von der Bühne der Linken-Bundesspitze abzutreten. Es wäre keine Überraschung, wenn Bartsch getragen vom Mitleids-Effekt und der Mehrheit der Delegierten-Stimmen (die nach wie vor im Osten sitzen) im Mai den Triumph über Oskar und Gysi vollenden wird! Ob dies die SPD immer noch freut??

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