Qou vadis FDP?

Die FDP hat derzeit viele Gesichter – hat sie sowieso, aber diejenigen, die die politische Richtung anzeigen, sind doch sehr mannigfaltig. Eigentlich sind die Liberalen in einer Traumposition: Den Bayern haben sie die Demokratie zurück gebracht, in drei weiteren Ländern regieren sie nunmehr schon seit Jahren erfolgreich mit, die Chancen noch ein weiteres Land hinzuzugewinnen, sind wieder rapide gestiegen und im Bund ist Guido Westerwelle eine umworbene Partie. Dennoch, ein bisschen geriert man sich wie die Braut vor dem Traualtar deren Bräutigam im Stau auf der Autobahn steht – starke Nervosität mit der Tendenz zur Hysterie gepaart mit der abenteuerlichen Aussicht auf einen Traumhafen der Liebe und doch ist da der trotzige Vorwurf: „Hätte dieser Idiot nicht eine halbe Stunde früher losfahren können!“

Ein FDP-Vorsitzender, der jauchzend einer Kandidatin für das Bundespräsidentenamt zujubelt, die er vor einigen Monaten noch böse ausgeschimpft hat, dass sie es wage, gegen einen so überzeugenden Amtsinhaber anzutreten, verwundert seine Beobachter. Noch mehr verwundert es aber, wenn die Großkoalitionäre – allen voran der naturgemäße, potenzielle FDP-Koalitionspartner CDU – die Parole ausgeben: „Egal, was von der FDP kommt, wir wischen das vom Tisch.“ Hier ist offenbar bedauerlicherweise viel gutes Porzellan kaputt geschlagen worden, das durchaus noch heile sein könnte. Aber auch FDP-intern bleiben Fragen offen. Was passiert z.B. mit dem Bundestagsmandat eines Martin Zeil, der mittlerweile vereidigter Wirtschaftsminister in Bayern ist? Darauf hat die FPD-Führung in Berlin bislang keine Antwort gefunden. Hier war selbst die CSU schneller, was das Mandat von Horst Seehofer anging. Von Kooperation und vertrautem Miteinander ist natürlich auch auf der Arbeitsebene nichts mehr zu spüren. Das ist insbesondere vor dem Hintergrund interessant, dass der nächste (Bundestags-)Wahltermin nicht mehr weit ist. Der eine oder andere könnte sich dann schnell in der Position wiederfinden, wo er auf die kooperative Zusammenarbeit mit Vertretern der christlichen Arbeitsebene angewiesen ist. Unschön, wenn dann alte Gräben offen klaffen.

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